Wahlkampfbeobachtungen (Teil 5)

Die K-Frage im Tollhaus
Kulturpodiumsdiskussion des Kulturrings zur Kommunalwahl ’09 vom 04.05.09

Da saßen sie nun auf dem Podium, die geballte Kulturfachkompetenz der im Gemeinderat vertretenen Fraktionen und ein Vertreter der Linken. Und mittendrin der Moderator Andreas Jüttner, der vielleicht ein guter Journalist sein mag, aber leider kein guter Moderator. Er hatte schon Probleme die Politiker richtig vorzustellen, denn Frau Fromm von der FDP ist Fraktionsvorsitzende und nicht Stellvertretende. Und die KAL bedeutet immer noch Karlsruher Liste und nicht Karlsruher Alternative Liste, auch wenn sie das vielleicht gerne sein würde. Herr Jüttner, der sich eigentlich gut in der Karlsruher Kulturszene auskennen müsste, verstand es leider nicht vor ca. 100 Zuhören andere Themen, außer Kultur-Haushaltspolitik und Kreativpark Ostaue anzureißen. Und so konnten die Vertreter der Kulturpolitik das sagen, was sie in solchen Situationen meistens machen. Sie rattern ihre Statements runter, ohne wirklich zu diskutieren.

Konsens oder Dissens?

Anfangen zu rattern durfte als erstes Frau Ernemann von der SPD-Fraktion. Sie sei mit den Haushaltsberatungen in Sachen Kultur zufrieden, was die Klein- und Großkultur anginge. Und sie könne doch in dieser Frage sicher auch für die anderen Fraktionen sprechen. Denn schließlich herrschte ein großer Konsens bei den Kulturhaushaltsberatungen. Dem beipflichten konnte Dr. Albert Käuflein von der CDU-Fraktion, denn es gebe schließlich nur in Nuancen Unterschiede und zwischen den Kulturvertretern der Fraktionen sei ein breiter Konsens vorhanden. Wer jetzt befürchtete, dass es in dieser Kulturharmonie weiterging, konnte aufatmen.

Denn da gab es noch Frau Anne Segor von der Grünen-Fraktion, die meinte, dass es gar keinen so großen Konsens unter den Fraktionen gäbe. Die freie und die Soziokultur bräuchte mehr Unterstützung. Wie das genau aussehen soll, hat sie nicht gesagt. Dafür gab sie an, wo kein Konsens bestünde. Beim Baukostenzuschuss von jeweils mehreren 100.000 € fürs Tollhaus und Substage hätten nur SPD/Grüne/KAL für den Antrag gestimmt, CDU/FDP diesen abgelehnt. Das sei nötig gewesen, damit (Achtung, jetzt kommt’s) das Tollhaus nicht mehr auf kommerzielle Produktionen fahren müsse. Denn das wäre wiederum nötig gewesen, wenn der zinslose Darlehensantrag von CDU und FDP eine Mehrheit im Gemeinderat bekommem hätte. Was bedeutet denn das im Umkehrschluss? Tollhaus fährt bislang keine kommerzielle Schiene oder bedeutet das, dass das Tollhaus nur sehr wenig kommerzielle Schiene bislang fährt? Und was bedeutet Kommerzialisierung in diesem Sinne überhaupt? Das sind offene Fragen, wo jetzt eigentlich der Moderator einhaken müsste. Hat er aber nicht.

Ein weiteres Beispiel des Dissenses gab Frau Segor an: Die Grünen und die KAL beantragten eine Erhöhung des Projektförderungshaushaltstopfes um 25.000 € auf insgesamt 50.000 €. Antrag abgelehnt durch die anderen Fraktionen. Dies könne sie nicht verstehen, da der Topf ausgeschöpft worden sei und eine Erhöhung logisch erscheint. Dem hielt Frau Fromm von der FDP entgegen, dass aber schon institutionell geförderte Kultureinrichtungen aus diesem Top für Projekte beantragen würden und das nicht der Sinn der Sache sein könnte. Diese müsste ihre Kulturprojekte aus ihrem Haushalt stemmen können.

Nun durfte Dr. Eberhard Fischer von der KAL-Fraktion anfangen zu rattern. Er finde den Einstieg in die Diskussion nicht gut, denn Kultur lebe unabhängig vom Geld. Das KOHI in der Südstadt bekäme auch keinen Zuschuss und würde gute Kulturarbeit machen, dort gäbe es einen Poetry Slam. Dass es schon seit Jahren einen Poetry Slam in einem kommerziellen Kulturhaus in Karlsruhe gibt, erwähnte er nicht, obwohl er das eigentlich wissen müßte. Das ist verständlich, denn schließlich kandidiert auch ein Vorstandsmitglied des KOHI auf der KAL-Kandidatenliste und nicht nur Frau Vellhagen vom Tollhaus. Auf eine spätere Nachfrage eines früheren Clubbetreibers, wie das KOHI sich nach ein paar Jahren weiter finanzieren sollte, antwortete er nicht. Abgesehen davon muss man wissen, dass man zuschussfähig erst nach einer gewissen Zeit von Existenz ist. Und allein finanziert, hat das KOHI das Programm auf dem Werderplatz zum Stadtgeburtstag wohl auch nicht, auch wenn das von einem anderen Geldtopf kommt. Letztendlich, so Fischer, sei die Kulturszene in Karlsruhe gut bedacht im Vergleich zu anderen Städten. Abgesehen davon seien bei Investitionsmittel-Anträgen eher Mehrheiten im Gemeinderat zu finden, als bei einer dauerhaften Erhöhung der institutionellen Förderung.

Bevor der Linke Vertreter Dieter Emig seine kulturpolitischen Vorstellungen losrattern durfte, räumte Frau Ernemann (SPD) in einem fast dramatisch klingenden Einwurf ein, dass es in ihrer SPD-Fraktion Kultur als letzter Bereich stünde, denn schließlich steht die SPD vorrangig für Sozialpolitik und Bildungspolitik. Sie hätte es eben schwer durchzudringen und Mehrheiten zu finden. Und dafür wären die Haushaltsberatungen sehr gut gelaufen. Ähnliches räumte Dr. Albert Käuflein von der CDU ein. Das klang so, als ob man noch Verständnis für die Vertreter der Volksparteien haben soll, wie schwer sie es doch in Sachen Kultur haben. Verständnis? Eher eine Erklärung, warum die Volksparteien in vielen Bereichen Zustimmung verlieren und viele Politikfelder den anderen kleineren Parteien mittlerweile überlassen müssen.
Noch immer musste Dieter Emig (Linke) auf sein Losrattern warten, denn Frau Fromm (FDP) musste noch loswerden, dass in Karlsruhe die Leuchtkraft der Kultur als Standortfaktor angestrebt werden müsse. In vielen Bereichen sei alternative Kultur schon zur traditionellen Kultur geworden sei. Wen sie damit meinte, sagte sie nicht. Unverständlich in diesem Sinne und zusammenhanglos erwähnte sie noch, dass die Clubkultur (was sie darunter auch immer versteht) kein Geld beantragen würde. Ach ja, ist das so?

Aber jetzt durfte dann doch endlich Dieter Emig von den Linken ran. Kultur sollten alle machen dürfen, auch Laien, Kinder und Senioren, gleichgültig welchen Status sie haben. Er sieht eher Kulturangebote und Kulturarbeit als sozialen Aspekt an, und findet es gut, wie der Werkraum e.V. Kultur vermittelt, der ja auch in den Haushaltsberatungen Berücksichtigung gefunden hat. Allerdings prognostizierte er, dass nach den Wahlen Kürzungen kommen werden und somit Einsparungen vorgenommen werden müssen, wobei die Kultur nicht geopfert werden dürfe.

In diesem Zusammenhang erwiderte Dr. Fischer (KAL) , dass der soziale Aspekt der Kultur in Karlsruhe nichts Neues sei, denn es gäbe schon seit längerem den Schule-Kultur Haushaltstopf. Frau Segor (Grüne) meinte, dass es durchaus zu Sparprogrammen kommen könnte, man verspreche aber bei der Kultur nicht zu kürzen.

Missmanagement beim Kreativpark Ostaue?

Nachdem die Kulturhaushaltsberatungen im Tollhaus noch einmal durchgearbeitet wurden, der Moderator sich beeindruckend im Hintergrund gehalten hat, kam das Thema zum alten Schlachhofgelände, dem Kreativpark Ostaue. Auslöser war ein Gedanke von Rita Fromm (FDP), dass sich die Kultur besser vernetzten müsste. Sie stelle sich vor, dass der Kreativpark analog des Technologieparks angegangen werden müsste. Die Kultur könne hierbei viel von der Wirtschaft lernen. Mehr Kooperationen zwischen den Kulturträgern wären wünschenswert, um somit die Kultur in Karlsruhe besser als Wirtschaftsfaktor präsentieren zu können. Und dafür wäre der Kreativpark sehr geeignet und man müsse jetzt klären, was dringlich auf dem Schlachthofgelände passieren müsse.

Diesen Ball nahm dann Dr. Fischer (KAL) auf, der die Bedeutung des Tollhauses nochmal für den Kreativpark hervorhob, von 90 % Eigenfinanzierung und 1 Mio € Umsatz sprach, dabei das Personalpronomen „wir“ verwandt, nachdem er sich bei Frau Vellhagen vom Tollhaus der Zahlen rückversicherte. Manchmal ist es einfach schwer die angebliche politische Distanz zu einem Lobbyempfänger dauerhaft zu gewähren. Zurück zum Thema: Herr Dr. Fischer meinte, dass Hauptproblem sei, dass drei Träger für das Schlachthofgelände zuständig seien. Die Fächer GmbH, das Wirtschaftsförderungsamt und das Kulturamt. Die Federführung sei nicht eindeutig, wer für die Entwicklung des Schlachthofes verantwortlich sei. Das muss sich ändern, und abgesehen davon bräuchte es einen Manager auf dem Gelände, der als Ansprechpartner für Interessierte am Schlachthof zur Verfügung steht. Dem schloss sich auch Frau Ernemann (SPD) an, die ergänzend meinte, dass ein Kulturbüro mit dem Manager sich nicht im Rathaus hinterm dem Kulturamt verstecken dürfe. Herr Dr. Albert Käuflein (CDU) nahm die Fächer GmbH etwas in Schutz, indem er ihr gute Arbeit attestierte. Die Vermarktung der Grundstücke verlaufe gut, räumte aber ein, dass die Mietpreisvorstellungen der Fächer GmbH für Kulturinterssierte nicht stimmen könnten.

Unterschiedliche Vorstellungen gab es auch, wer sich auf dem Kreativpark ansiedeln dürfe. Frau Segor (Grüne) unterstrich in diesem Zusammenhang, dass zu große Unternehmen, wie z.B. Verlage oder Filmproduktionsgesellschaften sich mit kleinteiliger Kultur nicht vertragen würden. Sie räumte auch ein, dass auf dem Gelände bislang zu wenig bewegt worden sei, und die baulichen Zustände nicht gerade Interessierte einladen würde. Dieter Emig (Linke) befürchtete, dass auf dem Schlachthofgelände der Kommerzialisierung der Kultur nur Vorschub geleistet würde und sieht dessen Entwicklung kritisch.

Fazit der Veranstaltung

Es war eine Veranstaltung des Kulturringes, dem Dachverband der soziokulturellen Vereine in Karlsruhe. Und genauso muss man es sehen. Spannend ist anders, wirklich wichtige kulturelle Fragen wurden nicht gestellt. Erst ganz am Schluss wurden Fragen aus dem Publikum aufgeworfen, die interessant gewesen wären zu beantworten. Dies räumte auch ein Podiumsteilnehmer ein, der meinte: „Jetzt könnte es spannend werden.“ Wurde es aber nicht, denn nach 2,5 Stunden inklusive Kulturbeitrag von Gunzi Heil, war es dafür zu spät.

Geschrieben am 05.05.2009 von Swen Kraus / Kommentare [1]

KAVANTGARDE

Damit das Stadtblog nicht zu einem Fußballblog verkommt, heute mal ein andres Thema: Kultur. Johannes twitterte eben, dass es für Karlsruhe jetzt ein Musik- und Kultur-Blog gäbe, nämlich KAVANTGARDE – Musik und Kunst aus Karlsruhe auf einen Blick! Gleich mal in den Feedreader damit.

Manche Dinge erledigen sich von selbst, wenn man lange genug wartet, sowas hatten wir auch mal geplant, aber wie das halt so ist….

Geschrieben am 25.03.2009 von Beate P. / Kommentare

Peter Weibel zum 65. Geburtstag

Der Künstler und Leiter des ZKM, Peter Weibel feiert am heutigen Erscheinungstag dieser kleinen gebloggten Ergebenheitsadresse seinen 65. Geburtstag. Neben seiner vielfältiger Aktivität als Künstler ist Weibel heute vor allem für seine Tätigkeit als Leiter des ZKM, Freund der Möglichkeiten des Internets und scharfzüngiger Kritiker des von ihm so genannten »Doms der Öffentlichkeit« bekannt. Das ist das Informationskartell der Herrschenden und der so genannten »freien Presse«, das die »Massen« in einer Art »inkompetenten Wachkoma« hält, aus dem sie sich langsam mit den Möglichkeiten des Internets befreien (Zitate aus meiner eigenen Mitschrift einer Rede von Peter Weibel aus dem Jahre 2007 an anderer Stelle). Man lese dazu auch ein Telepolis-Interview aus dem Jahre 2007, Zitat:

»Die Zeitungen haben mit dem Netz eine starke Konkurrenz bekommen. Das liegt vor allem auch daran, dass sie nur noch über ihre Befindlichkeiten schreiben oder im Netz abschreiben. Sie sind nicht mehr in der Lage, Informationen selbst zu erzeugen. Dadurch sinkt ihr Einfluss. Als Gegenreaktion kämpfen sie um mehr Einfluss, sie werden immer mehr zu diktatorischen Medien, die ihre Meinung durchdrücken wollen. Sie kommentieren und kommunizieren die Politik nicht mehr, sondern möchten sie selbst machen. Und dadurch entsteht eine Verschmelzung zwischen Medien und Politik, die an den Rand des Undemokratischen gerät. Wir haben heute im Grunde nur noch Staatsfernsehen und Staatszeitungen und das Netz ist das einzige Medium, in dem ich das nicht habe.«

Heute an seinem Geburtstag erhält er nun lustigerweise Glückwünsche aus genau diesem Komplex.

Zur geburtstäglichen Würdigung des künstlerischen Schaffens von Peter Weibel ein Fundstück aus den Weiten des Netz. Peter Weibel singt 1981 mit seiner im Jahre 1978 gegründeten Band »Hotel Morphila Orchester« das Stück »Entzweit«.

Geschrieben am 05.03.2009 von Ralf G. / Kommentare

Bildung ist ein teures Gut

Dachte sich der Rechnungshof unseres geliebten Baden-Württemberg schon 2007 und regte an, in den Landesbibliotheken Württemberg und Baden Gebühren einzuführen, um die Ausleihaktivitäten bremsen zu können. Wo kommen wir auch hin, wenn Bürgerinnen und Bürger die Institutionen, die sie mit Steuergeldern finanzieren, auch noch benutzen. ;)

Mittlerweile ist die Anregung des Rechnungshofs »unten« angekommen und die Badische Landesbibliothek hier in Karlsruhe kündigt die Gebühren von 30 EUR für Erwachsene in einer wirren Meldung als »Neuerung« an.

Protest dagegen ist angemessen, die Entscheidung darüber fällt aber nicht in der BLB, sondern kommt wie alles Gute ;) aus unserer wunderschönen Landeshauptstadt Stuttgart. Die richtige Adresse für Proteste ist der Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Peter Frankenberg. Ob sie auch sinnvoll sind, steht auf einem anderen Blatt, Frankenberg gefiel sich bekanntlich schon in der Studiengebührendebatte als Hardliner…

[Nachtrag 9.2.09] Mittlerweile gibt es dazu auch etwas bei KA-News. Es sind eigentlich alle Parteien dagegen, die CDU äußerte sich bis jetzt nicht. Nur FDP/Aufbruch ist für Gebühren. Das ist auch konsequent, denn wir müssen sparen, z.B. für Prämien- und Steuergeschenke zur Anschaffung neuer Geländewagen für die typische FDP-Klientel…

Und Matthias Kehle bloggt über die Presseinfo der Schriftsteller in ver.di:

…wenn Nutzer ausbleiben, kann man Personal einsparen, wenn genügend Personal eingespart ist, kann man die Karlsruher mit der Stuttgarter Bibliothek fusionieren.

Geschrieben am 04.02.2009 von Ralf G. / Kommentare [5]

Gotec: "Clubkultur braucht öffentliche Unterstützung"

Das Gotec Kulturhaus, einer der führenden programmatisch geführten Clubs in Karlsruhe mit Schwerpunkt elektronischer Musik, meldet sich in der Öffentlichkeit zu Wort, um in der allgemeinen Kulturdebatte einen Beitrag aus seiner Sicht als privatwirtschaftlich geführter Club abzugeben.

Kurze Historie des Gotec Kulturhauses

Das Gotec Kulturhaus in Karlsruhe wird seit dem Jahr 2000 von der Schäfer-Rappold-Zimmermann-GbR rein privatwirtschaftlich betrieben und beherbergt auf 550qm in 2 Räumen eine regionale Kulturplattform für verschiedene Kultursparten und Szenen. An Samstagen liegt der Schwerpunkt auf elektronischer Clubmusik, an den Freitagen erhalten verschiedene regionale Szenen ihre feste Plattform. Jährlich werden ca. 5-7 Ausstellungen durchgeführt, sowie monatlich ca. 20 Events. Es strömen 35.000 Besucher jährlich in die Gablonzerstr. 11 und das nicht nur aus Karlsruhe, sondern aus der gesamten Region. Bis zum Jahr 2006 beherbergte das Gotec auf einer Gesamtfläche von knapp 2.000qm ca. 25 Untermieter für Büros, Ateliers, Band-Probenräume und einen zusätzlichen Kurs- und Tanzraum zur flexiblen Anmietung. Im Jahr 2004 wurde das Gotec mit dem Ba.-Wü. Club-Award „innovative Idee für Clubkultur“ ausgezeichnet.

Kulturelles Konzept des Gotec Kulturhauses

Zu Beginn hatte man in der Gablonzerstr. 11 eine Heimat gefunden und diese in mühevoller Kleinarbeit immer weiter ausgestattet. Jegliche Auflagen und bauliche Maßnahmen wurden durch das Gotec als Mieter finanziert und durchgeführt.
Die Basis war immer eine gesunde Mischkalkulation: Erfolgreiche Party-Veranstaltungen sollten es ermöglichen auch „nicht-lukrative“ Events durchzuführen, um so lokalen Szenen und Aktiven eine Plattform bieten zu können. Das gleiche gilt für die Schaffung zusätzlicher Flächen für Künstler/-innen und Bands: Günstige Weitervermietung von Büros, Ateliers und Proberäumen, mit geringem Mietaufschlag um dadurch eine möglichst geringe Mietbelastung für die Clubflächen zu erreichen.
Das Gotec Kulturhaus ist seinem Motto treu geblieben und hat sich stetig weiterentwickelt. Wer das Gotec kennt oder schon öfters dort war, der weiß sehr genau, dass sich die Räume und Atmosphäre immer wieder verändern und sich den verschiedenen Events anpasst. Deshalb wurde auch das Chamäleon zum Maskottchen, da es die Wandelbarkeit und Flexibilität ausdrückt.

Keine Entwicklungsmöglichkeiten in der Gablonzerstr.

Am derzeitigen Standort sind aus diversen Gründen keine Entwicklungen mehr möglich. Die Räume wurden zwar durch das Gotec ausgebaut und modernisiert, dies spielt jedoch für den Vermieter keine Rolle. Im Jahr 2007 kam die Kündigung zum Jahr 2008 mit der Möglichkeit einen neuen Mietvertrag abzuschließen: Alle Nebenflächen fielen an den Vermieter zurück, so dass das Gotec Kulturhaus keine Mieteinnahmen mehr erwirtschaften kann und die Flächen des Clubs wurden mit 40% Mieterhöhung belegt! Dies stellt momentan die aktuelle Mietvereinbarung dar, die wiederum auf Ende diesen Jahres durch den Vermieter gekündigt wurde. Der neue Mietvertrag ist bereits vereinbart: Es ging erneut um eine höhere Mietzahlung.

Neuer Standort gesucht

Unter anderem aus diesen Gründen ist das Gotec Kulturhaus bereits seit 2 Jahren auf der Suche nach einem neuen Standort, was natürlich nicht ganz einfach ist. Schließlich wird nicht nur nach einer geeigneten Gastronomie- und Clubstätte gesucht, sondern eben auch nach adäquaten Nebenflächen für Büros, Ateliers und Band-Probenräumen. Das Amt für Wirtschaftsförderung wurde bereits frühzeitig eingebunden und im Frühjahr diesen Jahres auch über die Dringlichkeit informiert.

Schwierige Rahmenbedingungen der Clubkultur

Die Gastronomiebranche ist ganz allgemein einigen Herausforderungen ausgesetzt und an manchen Stellen sehr „gebeutelt“, Stichwort MwSt.-Erhöhung und Nichtraucherschutzgesetz. In Karlsruhe stellt sich auch die Sperrzeitsituation für Clubbetreiber als schwierig dar. Es ist nun einmal Fakt, dass sich das Ausgehverhalten geändert hat und das Publikum nicht vor 23, 24 Uhr in einen Club geht. Die Sperrzeit beginnt um 5 Uhr, so dass über den Monat verteilt gerade mal 15-20 Stunden (für Samstage) zur Verfügung stehen, um dem gestiegenen Kostendruck entgegenzutreten. Da verwundert es nicht, dass so mancher ums Überleben kämpft, zumindest wenn man sich dafür entschieden hat, diese öffentlichen Auflagen einzuhalten.

Im Übrigen hat das Land Rheinland-Pfalz, bereits seit einiger Zeit die Sperrzeit den Kommunen freigestellt, so dass in bestimmten Städten, in unserer unmittelbaren Nachbarschaft keine Sperrzeit mehr besteht! Das führt natürlich des öfteren zu Verwirrung bei den Gästen, da diese zunächst nicht ersehen können, warum manche Clubs um 05 Uhr schließen (müssen) und andere nicht!

Es wurde bereits an einigen Stellen angesprochen, dass auch die Situation im Bereich Werbung / Plakatierung nicht sehr einfach ist, da man als „privatwirtschaftlich“ betriebener Club, keine öffentlichen Plakatierstellen in Karlsruhe erhält. Um so mehr verwundert es, wenn dann gewisse Veranstaltungen immer wieder offensichtlich ohne Genehmigung plakatiert werden und dies scheinbar keine Folgen hat.

Keinerlei Erwähnung der Clubkultur im Kulturwirtschaftsbericht

Im Frühjahr diesen Jahres erschien der Kulturwirtschaftsbericht für die Stadt Karlsruhe aus dem Jahr 2007. Liest man diesen aufmerksam durch, ergeben sich u.a. drei Punkte die Entwicklungspotenzial haben in Bezug auf die Publikumsströme in Karlsruher Kultureinrichtungen: Die Quote an auswärtigem Publikum, der Anteil an Frauen und die Zufriedenheit unter Jugendlichen bzw. der bis-25-jährigen könnten teilweise erhöht werden.
Im Gotec Kulturhaus bewegen sich an manchen Events bis zu 70% an auswärtigem Publikum, der Anteil von Frauen liegt sehr oft (je nach Veranstaltung) bei mind. 50% und die Zufriedenheit unter den Jugendlichen / jungen Erwachsenen ist sehr gut. Die Beschäftigungszahlen im Gotec steigen stetig an, auch wenn es sich überwiegend um Nebenjobs auf Minijob-Basis handelt.
Im Jahr 2000 war es nicht möglich, bestimmte bekannte Musiker/-innen aus dem elektronischen Musikbereich hier in Karlsruhe zu erleben, dies hat sich mit Bestehen des Gotec Kulturhauses zunehmend geändert und so haben wir mittlerweile regelmäßig international bekannte Djs hier in unserer Stadt.
Somit ist es wohl keinesfalls zu hoch gegriffen, wenn man feststellt, dass auch das Gotec Kulturhaus ein regionaler Standortfaktor für die Stadt darstellt.

Clubkultur braucht öffentliche Unterstützung

Eines möchte das Gotec ganz deutlich darlegen: Es ist nicht interessiert an einer dauerhaften, finanziellen Unterstützung durch die öffentliche Hand! Es sieht sich selbst als „Gastspielhaus“ an, was sich selbst finanzieren sollte und hat aus diesem Grunde kein Interesse an öffentlichen Mitteln.

Jedoch sieht es massive Unterstützungsmöglichkeiten durch öffentliche Stellen außerhalb der klassischen finanziellen Unterstützung: Klare Regelungen und Transparenz in verschiedenen Bereichen wie z.B. von Plakatiermöglichkeiten oder Sperrzeitregelungen, würden hier schon einiges bewegen!
Aber auch der echte Wille zur Hilfe und zeitnahes Handeln würden sehr weiterhelfen, wie z.B. die eindeutige Klärung wichtiger Sachverhalte (wieder das Stichwort Plakatierung, was wohl schon mehrere Jahre immer wieder „auf der Tagesordnung“ steht).
Es gibt bisher kein klares Immobilienmanagement, vor allem im Bereich der Gewerbe-Immobilien und es gibt große Unsicherheiten im Bereich der Genehmigungsverfahren: Welche Nutzungsart in welchen Gebieten ist überhaupt möglich? Was heißt es, wenn lt. Entscheidung vom Gemeinderat keine Vergnügungsstätten in Gewerbegebieten möglich sind? Sollen Gastronomien und Tanz-Gaststätten nur noch in der Innenstadt oder gar in „Wohngebieten“ ansässig sein?

Keine Spielräume mehr für kleine Kultursparten

Gewisse Veranstaltungen oder Eventreihen werden nicht mehr stattfinden können. Wenn z.B. ein „Live-Rock“ mit regionalen Bands nicht mehr durchgeführt wird, so liegt dies an dem einfachen Grund, dass es finanziell nicht mehr möglich ist, da dieser Event zu kostenintensiv ist und nicht refinanziert werden kann. Dasselbe gilt für bestimmte bookings: Wenn die Gefahr besteht den break-even nicht zu erreichen, wird in 2009 eben jenes booking nicht gemacht werden können. Ein Beispiel: Es kommen 120 Pers. zu „Consoul/AcidPauli“ (elektronischer Live-Act), die uns total glücklich auf die Schulter klopfen, mit dem Kommentar: „Danke Leute für dieses booking, schon lange nicht mehr so tolle Musik gehört!“ Jedoch liegt der Break-Even bei einem solchen Event bei 200 Personen!

Fazit: Clubkultur ist mehr als Disco

Die Stadt rühmt sich immer Ihrer kulturellen Vielfalt, keine andere Stadt vergleichbarer Größe hätte so ein großes kulturelles Angebot wie Karlsruhe. Soweit so gut. Aber unterstützt die Stadt alle Kulturträger in gleicher Weise wie sie es von ihrer Bedeutung verdient hätten? Wohl kaum. Der Aufschrei der Kulturpolitiker in Karlsruhe ist groß, wenn bei der bezuschussten Kultur Probleme auftreten. So vor kurzem beim Kulturzentrum Tempel geschehen. Der Grund ist klar, einerseits durch das gute Kulturangebot und andererseits natürlich weil Geld der Stadt in dieses Kulturzentrum investiert wird. Das Gotec, ausser von sehr kleinen städtischen Projektzuschüssen abgesehen, bekam nie einen Investitonszuschuss. Kann es auch nicht, weil gemeinnützige Kulturvereine und kulturell privatwirtschafltiche Unternehmungen unterschiedlich in ihrer öffentlichen Unterstützungsform bewertet werden. Aber was hat die Stadt denn überhaupt schon für die Clubkultur in Karlsruhe getan? „Sicheres Nightlife“ der City-Initiative Karlsruhe, mehr fällt einem nicht ein. Der Schlüssel zum veränderten Denken der Stadt, der Kulturpolitiker kann nur darin liegen, dass endlich Clubkultur als Kulturbeitrag, wie jeder andere angesehen wird. Wenn dies geschehen würde, wäre das der erste Schritt in die richtige Richtung. Denn programmatisch geführte Clubkultur ist mehr als Disco!

Geschrieben am 05.12.2008 von Swen Kraus / Kommentare

Kuno Bärenbolds »Letzte Verführung«

Im Mai 2008 starb der Karlsruher Schriftsteller und Rezensent Kuno Bärenbold. In seinem »digitalen Nachlass« fand man einen Ordner mit dem sprechenden Namen »neubuch«. Thomas Lindemann und Matthias Kehle (Bild oben) nahmen sich dieser Texte an und geben, mit einem Interview und weiteren Texten über Kuno Bärenbold angereichert, das »neubuch« unter dem Titel »Letzte Verführung« im Info-Verlag posthum heraus.

Am letzten Montag wurde das schmale Büchlein in der prall gefüllten Durlacher Orgelfabrik vorgestellt. Harald Schwiers (Bild unten) und »Spiegelfechter« Ole Hoffmann lasen Texte aus dem Buch, Gunzi Heil begleitete den Abend mit von Kuno Bärenbold inspierierten Liedern am Klavier. Die schwungvoll gelesenen Texte hatten vor allem Kunos Kämpfe gegen alles Mögliche zum Thema und amüsierten das Publikum prächtig.

Sogar ein wohlbekannter Literaturkritiker (Bild) schaute, gesteuert von Gunzi Heil, vorbei und legte dem anwesenden Publikum die »Letzte Verführung« ans Herz.

In der Tat, das Büchlein sammelt einige amüsante Texte aus dem Kampf gegen die Ungerechtigkeiten der Welt und dem prallen badischen Leben, wie z.B. in »Duell im Ländle I«:

»Es war mir ein Herzensanliegen an diesem Sonntagnachmittag, als einfacher Durlacher Bürger über tausend Fans des VfB Stuttgart auf unserem Bahnhof zu begrüßen. Als äußeres Zeichen der Gastfreundschaft und des Fair-Play hatte ich die badische Fahne vom Hausmeister des Rathauses ausgeliehen. Schwungvoll wollte ich sie hin- und herschwenken, dabei fröhlich das Badner-Lied pfeifen, um die aufgeheizte Stimmung zu entschärfen.«

Wie dieses unheilvolle Szenario endet, müssen die geneigten Leserinnen und Leser schon selbst heraus finden, indem sie die »Letzte Verführung« lesen, oder, in den Worten, die der Künstler Gerhart Frey einst Kunos Bücherkarren zuwies: »Lest doch, ihr Flaschen!«

Das anwesende Publikum am Montag jedenfallls war bestens unterhalten, manch einer ging mit dem druckfrischen Buch in der Tasche nach Hause. Und am Ausgang seufzte eine Dame: »Das hätt’ dem Kuno auch gefallen…«

Geschrieben am 11.11.2008 von Ralf G. / Kommentare

Die Jonglierer haben uns wieder verlassen

Die Europäische Jonglier Convention 2008 in Karlsruhe ist nun Geschichte. Leider haben wir es hier nicht geschafft, zeitnah etwas zu berichten.

EJC2008Bild von Mela, vielen Dank!

Ein paar weitere schöne Bilder gibt es im französischen Blog von Pierre Morell.

Der SWR sendet am Montag Abend von 18:15 bis 18:45 ein Spezial unter dem Titel „Bälle, Messer, Keulen: alles fliegt wie am Schnürchen – die Kunst des Jonglierens”.

Geschrieben am 10.08.2008 von Beate P. / Kommentare [1]

Roncalli-Blog

Der Circus Roncalli hat ja noch bis zum 3. August seine Zelte auf dem Messplatz aufgeschlagen. Eben auf der Website habe ich gesehen, dass es dort ein Tourtagebuch gibt, geschrieben von Lars Brabeck. Dort erzählt er, was er sich in Karlsruhe angesehen hat und wie er es findet, dass die Fahrscheinkontrollierer bei Ortsfremden gern mal beide Augen zudrücken und einen Blick hinter die Kulissen gibt es auch.

Geschrieben am 23.07.2008 von Beate P. / Kommentare

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