Neue Kulturreferentin in Karlsruhe - Wird Karlsruhe Weltkulturhauptstadt?

Vor eineinhalb Wochen fand das erste Karlsruher Kulturfrühstück in diesem Jahr statt, Frau Dr. Susanne Asche stellte sich den Kulturschaffenden vor.

Frau Dr. Susanne Asche, die seit dem 1. Januar das Kulturamt leitet, stellte sich in der „Krone“ beim vom Kulturamt organisierten Kulturfrühstück der Öffentlichkeit vor. Das Interesse, die neue Kulturreferentin kennenzulernen, war für Kulturfrühstücksverhältnisse sehr groß. Über 70 Kulturinteressierte aus Kulturbetrieben der Soziokultur, Hochkultur, Künstler und einige Kulturpolitiker durften gespannt sein, was Frau Dr. Asche bei ihrer Vorstellung vorzubringen hatte.

Nach den einleitenden Worten von (Noch)Kulturbürgermeister Eidenmüller, bei dem man den Eindruck bekommen konnte, dass er es bedauerte, nicht noch länger mit Frau Dr. Asche zusammenarbeiten zu dürfen, sprudelte es geradezu nur so aus ihr heraus, wie sie sich die „neue“ Kultur in Karlsruhe vorstellen könnte. Doch war wirklich Neues dabei?

Karlsruhe sei eine Stadt von hoher Kulturdichte, hoher Kulturqualität, ein vielstimmiger Chor der Kulturszene herrsche hier. Der Künstlerszene müsse man es ermöglichen, kreativ zu sein. Waren diese das vorher nicht? Und, jetzt kommt’s: Karlsruhe sei die Kulturmetropole, die weit in die Welt strahlt. Von Europa keine Rede mehr. Man hat sich anscheinend nach dem Scheitern zur europäischen Kulturhauptstadt davon verabschiedet. Die Welt ist nun dran. Verständlich im Zeitalter der Globalisierung. Vielleicht plant die Uno ein Pendant, eine Ausschreibung zur Weltkulturhauptstadt, bei der sich Karlsruhe bewerben will?

Nach Frau Dr. Asches kultureller Ist-Analyse, versuchte sie zu beschreiben, wie sie die Kultur in Karlsruhe zukünftig voranbringen will. Wie könne man die geballte Kultur in einem(!) Bereich nach außen bringen. Dabei sollen die bildenden Künste der Schwerpunkt sein, wobei sie später relativierte, dass es sich nur um einen Schwerpunkt handeln soll. Andere Schwerpunkte nannte sie nicht. Und wie soll das aussehen? Alle drei bis vier Jahre die bildende Kunst zu einem Thema zusammenführen. Diese dann, wie auch immer, als Leuchtturmprojekte präsentieren, wobei aber alle Kultursparten teilnehmen sollen. Aber nur, wenn sie gut sind. Alles klar? Die Begriffe Biennale und Triennale fielen in diesem Zusammenhang. Und warum gerade die bildende Kunst? Straßburg stünde für Musik, Stuttgart für Tanz, und Karlsruhe eben für die bildende Kunst. Das würde doch hervorragend passen. Passt es gerade, weil andere Städte der Region diesen Kulturschwerpunkt anscheinend nicht haben, oder weil Karlsruhe wirklich mit der bildenden Kunst in der Welt wuchern kann?

Frau Dr. Asche sei prädestiniert aus der Kraft der Identität der Stadt, Kultur entwickeln zu können, so Bürgermeister Eidenmüller in einer Zwischenbemerkung. Hoffentlich sieht das der oder die Nachfolger(in) Eidenmüllers auch so. Ideen zu haben, ist eine wichtige Voraussetzung Kulturreferentin zu sein. Wie und ob sie umgesetzt werden, ist die viel spannendere Frage. Interessant wird sein, wie sie erstens den Gemeinderat mit ihren Ideen überzeugen will. Denn er entscheidet über potentielle Haushaltsmittel. Hier sprach übrigens Frau Dr. Asche nur von einer Umschichtung der Haushaltsmittel. Zweitens: Wie ihre Vorstellungen mit denen des zukünftig neuen Kulturbürgermeisters oder -in übereinstimmen. Und drittens: Wie sie die geballte Kultur in Karlsruhe an einen Strang bekommen will.

Wenn sie es dann noch schafft, bei Ihrem nächsten öffentlichen Auftritt, nicht nur die städtischen und Landeskulturinstitutionen zu erwähnen, sondern auch mal ein Wort zur Soziokultur, Popkultur und Clubkultur zu sagen, dann hat Frau Dr. Asche mit ihrer selbstbewussten und agilen Art große Chancen, im Interesse aller Kulturschaffenden etwas zu bewegen. Warten wir es ab, ob ihr das gelingen wird.

Geschrieben am 04.02.2008 von Swen Kraus /

Kommentare

  1. Wie könne man die geballte Kultur in einem(!) Bereich nach außen bringen.

    In einem Kultur-Kalender.

    Jens · 4. Februar 2008, 15:59 · #

  2. Und da es TOP-Kultur ist, natürlich in einem TOP-Kalender.

    TOP · 5. Februar 2008, 15:05 · #

  3. Karlsruhe Weltkulturhauptstadt?
    Laßt mal die Kirche im Dorf!
    Betonung liegt auf “Dorf”..

    Karl S. Ruhe · 6. Februar 2008, 14:41 · #

  4. Badenkulturhaupstadt würde in der Tat vollauf genügen. Man muss ja nicht gleich nach der Weltherrschaft greifen. ;-)

    Großen Wert lege ich allerdings auf das Attribut “Internethauptstadt Deutschlands”! ;-)

    JCG · 6. Februar 2008, 14:45 · #

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